WE CARE AND DESIGN  
FOR YOUR FINAL PHASE

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                    Final Studio setzt auf forschungsbasiertes Wissen und betrachtet gesellschaftliche Neuerungen.  Im Rahmen zweier ineinander verknüpften Forschungsprojekte  untersucht Bitten Stetter, gemeinsam mit anderen Forscher*innen, Sterbewelten im 21. Jahrhundert.


                    Aktuell basieren alle Angebote  auf persönliche Erfahrungen, Palliatiave-Care-Weiterbildungen, Gesprächen mit Sterbenden, Angehörigen, Expert*inneninterviews sowie ethnographischen Untersuchungen.
               
               Die gestalteten Angebote sind zum jetzigen Zeitpunkt materialisierte Thesen, die Pflegende, Angehörigen und Betroffenen in verschiedenen institutionellen, privaten End-of-Life-Settings und im  Final Store  als materiale Ideen zur Verfügung gestellt werden. Sie werden implementiert, diskutiert und überarbeitet.

                 Forecasting                          
                 Research of Dying

















«WE ARE SEEING WHAT WE REGARD AS A MASSIV GLOBAL ISSUE. THERE IS A HUGE WAVE OF DYING; DEATH AND BEREAVEMENT.» David Clark, researcher in end-of-life care




                Der Tod ist im Wandel. “Both the way we see it and the way we handle it are being challenged, whether by educational enterprises, (...) or by environmental initiatives. (...) Meanwhile, in Silicon Valley, technology entrepreneurs are attempting to resurrect digital souls, or even stop death altogether”, prognositiziert LS:N Global und beschreibt dabei ein neues Spannungsfeld, in dem sich Sterben, Tod und Trauer derzeit abspielt.



                Der Tod sucht sich den Weg zurück ins gesellschaftliche Leben. Grund dafür sind die Babyboomer, die langsam aber sicher in die End of Life-Lebensphase eintreten. Unter ihnen die Alt-68er, die seit jeher für Selbstbestimmung und alternative Lebenskonzepte kämpfen.  Gleichzeitig suggerieren neue Innovationen im Bereich Bio-Hacking und der Kybernetik, dass die uralte Utopie der Unsterblichkeit in greifbare Nähe rückt.  Bots,  ermöglichen mit Verstorbenen, dank AI, in Kontakt zu bleiben und realisieren Unsterblichkeitsphantasien schon im digitalen Raum.  

                Phänome einer neuen Sterbekultur werden sichtbar. Unter dem Sammelbegriff Death Futures wird der Frage nachgegangen, was entsteht, wenn sich Grenzen auflösen und Extreme zusammenfliessen? Im Spannungsfeld von “forever young” und demografischer Wandel, digitaler Transformation und dem Wunsch nach Echtheit und Selbstbestimmung sowie einer neu aufkommenden Spiritualität werden Zukünfte des Todes exploriert.
 
                Talks
                Workshops

                   




«BETRACHTEN WIR UNSERE POSTMODERNE HEILE WELT, SO PASST LIEGEN UND PFLEGEBEDÜRFTIGKEIT NICHT IN UNSERE VORSTELLUNG EINES «GUTEN LEBENS». WER NUR LIEGT, NICHT AKTIV DURCH DAS LEBEN GEHT, IST SCHWACH, ALT UND UNPRODUKTIV, VIELLEICHT SOGAT WERTLOS, SO DIE MEINUNG VIELER, DIE SICH EINEM LEISTUNGSORIENTIERTEN LEBEN VERSCHRIEBEN HABEN.»


                  In Zeiten in denen sich Leben mit Leistung und Sterben mit Krankheit maskiert, und der Tod nach wie vor mit Sprachlosigkeit einhergeht, scheint ein genauer Blick auf vergangene und gegenwärtige Sterbewelten samt ihren Materialien notwendig. Sie haben Gewohnheiten, Moralvorstellungen, Machtverhältnisse inkorporiert, verkörpern bestimmte Ethiken und haben dementsprechend eine ökonomisch-politische und sozial-kulturelle Dimension.

                  An einer einfachen historischen Schnabeltasse zeigt sich, dass sich die gesellschaftliche Stellung von Pflegebedürftigkeit und Schwachsein im Laufe der Zeit gewandelt hat. Früher wurden die Schnabeltassen so entworfen, dass der Henkel an der Rückseite des Mundstückes sass, damit Pflegende einfacher Flüssigkeit geben konnten. Der Griff suggerierte Sozialität und forderte wortlos Fürsorge ein. Heute sind Schnabeltassen aus Hartplastik, stapelbar, uniform spülmaschinenfest und henkellos.

                Gehörten früher End of Life-Produkte zu Mehrgenerationenhaushalte dazu, wirken sie heute wie eine Vision einer neuen Care-Kultur. Sie verschwanden leise aus unserem Alltag und wurden, wie der Tod selber, in institutionelle Einrichtungen ausgelagert. Material und Form haben sich suk­zes­si­ve den Anforderungen der Institutionen, dem Gesundheitsmarkt und Gesundheitspolitiken angepasst. 

                Im Bereich ARCHEOLOGY OF CARE wird nach versunkenen Care-Objekten gegraben und verwehte Spuren der Fürsorge werden freigelegt. Betrachtet werden historische Designentwürfe und vergangenen sowie gegenwärtigen Care-Objekte und -Konzepte, die Hinweise auf die Gestaltung von zukünftigen Produkten geben können.






«STERBEN IST TEIL DES LEBENS. GEGENWÄRTIGE LEBENSSTILE BEEINFLUSSEN IN GROSSEN AUSMASS, WIE WIR  ZUKÜNFTIG LEBEN UND STERBEN WOLLEN.»



               

                Trends wie well-being, Achtsamkeit und community thinking  verändern  gegenwärtige Lebens- und Sterbestile. Soziale Movements wie #Death Positive oder #Death Wellness oder neuaufkommenden Berufs- und Wirkungsfelder wie Death Doulas oder Spiritual Midwives betrachten Körper und Geist unter Begriffen wie holistic health.

                In diesem Recherchefeld werden  sustainable lifestyles genauso viel Beachtung geschenkt, wie neuen Self-Care-Konzepten,  Mood Tracker Apps,  alternativen Wohnformen, die sich zwischen Spiritual Care, Magic & Miracle und traditioneller Alternativmedizin verorten lassen.

                Individualisierung, Digitalisierung und der Wunsch nach (Selbst-)Repräsentation sind Treiber für sich wandelnde Lebens- und Sterbestile, die sich durch eine neue Generation von chronisch schwerkranken Menschen verstärkt.  Junge Menschen twittern und posten ihre unheilbare Krankheit und Blogs wie Dying With Swag, Fotoarbeiten wie Jennifer’s Battle und Reallity Shows wie Over mijn lijk, geben Einblicke in authentisch wirkende Sterbewelten und erhalten dafür Likes und Follower.


                 Talks